Der Bürgerbus
Am 8. Februar 1995 wurde auf Initiative von drei Fraktionen des Rates der Bergstadt Clausthal-Zellerfeld der Verein "Bürgerbus Oberharz e. V." gegründet. Absicht war, den Bürgern durch eine alternative Form des Öffentlichen Personennahverkehrs mehr Mobilität zu ermöglichen. "Bürger fahren Bürger", als soziales Engagement in ihrer Freizeit, völlig ohne Bezahlung, war die für unsere Region neue Idee. Auf sehr gute Erfahrungen mit diesem System in den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen konnte man aufbauen. Es galt anfangs, viel Skepsis und Ablehnung zu überwinden.
Am 29. Mai 1995 nahm unser Verein den Betrieb mit zwei Kleinbussen auf.
Sie haben Interesse an unserer Initiative und wollen uns unterstützen? Sie benötigen Informationen über die Entstehung und Entwicklung unseres Projektes, den Sachstand der Arbeit, oder über die Problembereiche?
Dann wenden Sie sich an uns:
| Ulrich Franz | (1. Vorsitzender) |
|---|---|
| Im Oberfeld 7 | 38678 Clausthal-Zellerfeld |
| Tel.: 05323/81228 | Fax: 05323/81228 |
| Heinz Broi | (2. Vorsitzender und Koordinator in der Verwaltung) |
|---|---|
| An der Marktkirche 8 | 38678 Clausthal-Zellerfeld |
| Tel.: 05323/931104 | Fax: 05323/93199104 |
| Karin Trunz | (3. Vorsitzende) |
|---|---|
| Arnikaweg 18 | 38678 Clausthal-Zellerfeld |
| Tel.: 05323/81980 |
Das Konzept des Bürgerbusses
Das Konzept beruht auf dem Prinzip "Bürger fahren Bürger", freiwillig und unentgeltlich. Die Mitglieder des Vereins arbeiten ehrenamtlich in ihrer Freizeit. Sinn ist es, älteren und anderen nicht mobilen Bürgern mehr Mobilität anzubieten. Für die Gebiete abseits der Hauptstraßen - und nur auf diesen fahren die "großen Busse" der rbb - ist dieses Angebot sinnvoll und notwendig. Das Projekt wird durch drei Säulen getragen:
- die Bergstadt Clausthal-Zellerfeld als Koordinator. Sie hat sich mit überwiegender Mehrheit des Rates zur Unterstützung des Projektes entschieden und deckt die unausweichlichen, aber im Verhältnis zu anderen Konzepten geringen Verluste.
- die rbb als Konzessionsträger des Liniendienstes in der Region und Verantwortliche im Sinne des Personenbeförderungsgesetzes. Ihr Fachpersonal unterstützt den Verein durch Rat und Hilfen.
- der Verein als Betreiber der Busse, angehalten durch Eigenleistungen die Kosten so gering wie möglich zu halten. Die Durchführung des Fahrdiestes mit den Bürgerbussen ist betrieblicher Teil der rbb.
Als Fahrer des Bürgerbusses stellen sich Frauen und Männer zur Verfügung, die sich sozial engagieren wollen, eine sinnvolle Freizeitgestaltung suchen oder einfach nur Freude am Fahren haben. Um Freizeitstress zu vermeiden, übernehmen sie monatlich nur zwei bis drei Fahrten. Wer möchte, kann natürlich auch häufiger fahren.
Der Verein "Bürgerbus Oberharz e. V."
Am 8. Februar 1995 fanden sich 67 Frauen und Männer in der "Goldenen Krone" in Clausthal-Zellerfeld zusammen, um den Bürgerbusverein zu gründen.
Viele kannten sich vorher nicht oder hatten bisher keine Kontakte. Eine Satzung war durch die Bergstadt vorbereitet und wurde als Basis für die Vereinsarbeit angenommen. Freiwillige für die Vorstandsarbeit fanden sich schnell und wurden gewählt. Nach einer abschließenden Runde am Stammtisch waren alle gewillt, mit viel Enthusiasmus die Herausforderung anzugehen.
Zweck des Vereins ist gemäß Satzung die Förderung der Mobilität der Bevölkerung und des ÖPNV in der Bergstadt Clausthal-Zellerfeld sowie in der Samtgemeinde Oberharz durch Abwicklung eines öffentlichen Linienverkehrs mit allen dazu erforderlichen Maßnahmen.
Wir waren uns bewußt, eine "große Sache" anzugehen. Die tatsächliche Größe der Aufgabe haben wir erst in den folgenden Monaten erfahren. Da zwei Kleinbusse durch die rbb bereits geordert waren, von der Bezirksregierung Braunschweig zu 75 % und von der rbb zu 25 % finanziert. sollte keine Zeit verloren gehen und der Betrieb so schnell wie möglich aufgenommen werden. Dieses gesetzte Ziel machte das Festlegen von eindeutigen Prioritäten notwendig.
In Kurzform:
Fahrer, Fahrplan, Organisation. Vieles war dann weit schwieriger als ursprünglich angenommen. Werbung des Fahrpersonals und Ausbildung an Wochenenden, Ausarbeiten eines Fahrplanes im fast reinen Stadtverkehr, der trotz nur begrenzter Zahl von Freiwilligen dennoch ein vernünftiges Angebot für die Bevölkerung darstellen sollte, Öffentlichkeitsarbeit zum Abbau von Vorbehalten, Einrichten der Haltestellen, Finanzierung des Konzeptes und Vertragsgestaltung zwischen den Beteiligten. Schnell wurde klar: Viele der Gründungsmitglieder und einige Vorstandsmitglieder konnten die erforderliche Zeit nicht investieren, aktiv an der Gestaltung des Projektes mitzuarbeiten. Der Vorstand veränderte sich und die Zahl der Aktiven pendelte sich bei 40 % der Vereinsmitglieder ein. Heute hat der Verein ca. 80 Mitglieder.
Auch die Gemeinde Schulenberg zog sich zurück, da der Rat die prozentuale Beteiligung an den zu erwartenden Betriebskosten nicht fmanzieren konnte.
Bei Aufnahme des Fahrbetriebes am 29. Mai 1998 standen 15 Fahrerinnen und Fahrer zur Verfügung.
Der Verein erhebt keine Mitgliedsbeiträge.
Der Bürgerbus hat eine soziale Funktion. Diese wollen wir ohne "Vereinsmeierei" erfüllen. Der Druck der Startphase und die notwendige gegenseitige Verläßlichkeit hat uns zusammenrücken lassen. Freundschaften entstanden. Alter und Beruf, soziale Stellung und Funktion im Verein spielen keine Rolle. Es arbeiten die Frau Dipl. Ing. und der Arbeitslose zusammen, der selbständige Bauingenieur mit der Hausfrau, die Sekretärin mit dem Studenten und der ehemalige Zivildienstleistende mit dem ehemaligen Berufssoldaten. Der Verein hat inzwischen auch eine soziale Funktion in sich selbst.
Die Finanzierung des Projektes
Die Busse wurden von der Bezirksregierung Braunschweig zu 75 % (aus dem Gemeindeverkehrs Finanzierungsgesetz) und von der rbb zu 25 % finanziert.
Die Bergstadt Clausthal-Zellerfeld hat sich im Projektvertrag dazu verpflichtet, die aus dem Betrieb entstehenden Verluste zu übernehmen. Seit dem 18. März 1997 sind Werbeflächen an den Bussen an örtliche Betriebe vermietet. Hierdurch wird ein Gewinn von jährlich ca. 6.000,- Euro erzielt. Dieser Betrag mindert den Finanzierungsbedarf der Gemeinde. Der Verein erhält von der Bergstadt jährlich ca. 1.000,- Euro für die Vereinsführung und ca. 1.500,- Euro für das Vereinsleben.
Von der rbb erhält der Verein jeweils zum Jahresbeginn ca. 3.000,- Euro. Dieser Betrag dient der Sicherstellung der Liquidität und geht in die Betriebskostenrechnung ein. Die notwendigen Investitionen (Busse, Haltestellenbeschilderung, Fahrpläne, Drucker, Funktelefone u.s.w.) werden auf 6 Jahre abgeschrieben. Für einen Fahreinsatz von ca. 5 Stunden erhält der Verein von der rbb ca. 0,50 Euro Mankogeld zum Ausgleich von Verlusten in der Kasse der Busse.
Es gilt die Tarifordnung der rbb. Schwerbehinderte und eventuelle Begleitpersonen haben freie Fahrt. Hierfür wird der rbb ein prozentualer Anteil durch die Landesregierung zurückvergütet, der als Einnahme in die Betriebskostenrechnung für uns eingeht.
Vorgeschichte des Bürgerbusses
Die Idee des Bürgerbusses kommt aus den Niederlanden. Nach der Devise "Selbsthilfe" wurde dort der Buurtbus ins Leben gerufen und in Modellversuchen praktisch erprobt und eingesetzt.
Der Bürgerbus hat sich dort als ein in höchstem Maße praktikabler und ökonomischer Weg zur Verbesserung des ÖPNV in unterversorgten Regionen erwiesen. Inzwischen hat sich der Bürgerbus etabliert und gehört heute mit weit über hundert Buurtbusprojekten zu einem festen Bestandteil des ÖPNV in den Niederlanden.
Das Land Nordrhein-Westfalen griff die Idee auf und gab bereits 1983 grünes Licht für die Einrichtungen von Bürgerbuslinien.
1994 erkannten Mitglieder aus drei Fraktionen des Rates der Bergstadt Clausthal-Zellerfeld das Bürgerbuskonzept als eine Möglichkeit zur sinnvollen Verbesserung des ÖPNV in unserer Region.
Die Regionalbus Braunschweig GmbH (rbb) unterstützte das Vorhaben und die Bezirksregierung Braunschweig konnte aus dem Haushalt 1994 erhebliche Mittel bereitstellen. So wurden durch die rbb zwei Bürgerbusse geordert und durch die Bergstadt die Voraussetzung zur Gründung eines Bürgerbusvereins zum Betrieb der Busse geschaffen. Am 08.02.1995 wurde der Verein "Bürgerbus Oberharz" gegründet. Das Pilotprojekt Bürgerbus für Niedersachsen konnte anlaufen.
Der Fahrbetrieb
Obwohl oder trotz der Tatsache, dass alle Arbeit freiwillig und unentgeltlich geleistet wird, muss der Fahrdienst der Bürgerbusse professionell abgewickelt werden. Nur über den Preis, das Angebot und die Zuverlässigkeit kann Akzeptanz erreicht werden. Da wir ein betrieblicher Teil der rbb sind, haben wir auf den Preis keinen Einfluss.
Unser Fahrangebot wird durch die Anzahl der Fahrer und Fahrerinnen bestimmt. Im Rahmen dieser Möglichkeiten versuchen wir, den Fahrplan nach den Wünschen der Bevölkerung zu gestalten. Wer den Bürgerbus nutzen will, muss sich nach dem Fahrplan richten. Jeden persönlichen Wunsch, zu einer gewissen Zeit vom Ort A zum Ort B mit dem Bürgerbus zu gelangen, können wir nicht erfüllen. Dazu gibt es das Taxi.
Die Zuverlässigkeit des Bürgerbusses ist eine Frage der Organisationsstruktur, der Betriebsabläufe und der verfügbaren Betriebsmittel, hauptsächlich aber der persönlichen Zuverlässigkeit der Mitarbeiter. Ein Jahr Fahrbetrieb, ohne Ausfall und immer pünktlich, spricht sicher für professionelle Arbeit aller im Verein Aktiven.
Man sieht die Busse zwar in der Stadt fahren, der dazu notwendige und dahinterstehende Aufwand ist aber nicht sichtbar. Ein Vereinsmitglied ist wöchentlich als "Betriebsführer" für den Betrieb zuständig. Bei ihm melden sich die Fahrer frühzeitig, so dass bei Ausfall ein Ersatz möglich wird (bei zwei bis drei Einsätzen monatlich - fünf Wochen im voraus geplant - kann dies für einen Berufstätigen durchaus zum Problem werden). Die Betriebsführerin oder der Betriebsführer verwaltet und verwahrt die Betriebsunterlagen und -mittel, erstellt die Abrechnungsunterlagen, nimmt Meldungen von Mängeln entgegen, organisiert Abhilfe und hält die Verbindung zur rbb. Es gilt, den Fahrdienst zu koordinieren und zu überwachen. Ständige Erreichbarkeit während des Fahrbetriebes über Funktelefon ist erforderlich.
Als allgemeine Aufgaben müssen durchgeführt werden: Reinigen der Fahrzeuge, technische Kontrolle, Zustand der Halle usw., Absprachen und Koordination mit der rbb und den zuständigen Behörden, Werbung neuer Mitarbeiter und deren Ausbildung, Öffentlichkeitsarbeit, Abrechnung, natürlich auch die interne Vereinsarbeit, und und und...
Die Busse
- VW T 4 mit Hochdach, umgebaut durch die Firma Auwärter
- Niederflur, daher keine Stufen in der Tür
- Doppelschwingtür, elektrisch betätigt
- 2,4 l Dieselmotor, 57 kW/78 PS, 3700 U/min
- Länge 5,06 m, Breite 1,84 m
- Reifen 195/70 R 15
- 5-Gang-Schaltung, vollsynchronisiert
- Lenkung servounterstützt
- Tank 80 l
- Standheizung
- Fahrer-Klima-Anlage
- D-Netz-Telefon mit Freisprecheinrichtung
- Konsole für elektronischen Drucker und Kasse anstelle des Beifahrersitzes, daher nur 7 Fahrgastplätze
- Preis: DM 103.000,- plus Drucker, Kasse und Telefon
Die Fahrerinnen und Fahrer
Seele des Bürgerbusses sind unsere Fahrerinnen und Fahrer. Die Fahrgäste und die Fahrerinnen und Fahrer sind natürlich versichert, die persönliche Verantwortung am Lenkrad aber bleibt. Unsere Fahrerinnen und Fahrer besitzen den Personenbeförderungsschein, die Kosten für die Ausbildung trägt der Verein.
Motivation der Fahrerinnen und Fahrer ist soziales Engagement, Spaß an Kontakten mit anderen Menschen oder einfach auch nur die Freude am Fahren. Vielleicht auch eine Mischung aus allem. In Holland und in Nordrhein-Westfalen sind dies überwiegend Menschen außerhalb des Berufslebens. Rentner, Pensionäre und Mütter, deren Kinder "aus dem Gröbsten" heraus sind. Diesen Personenkreis haben wir in unserer Stadt leider noch nicht ausreichend aktivieren können.
Bei uns sind die Fahrerinnen und Fahrer meist jüngere Leute, Studenten, Assistenten und anderweitig Beschäftigte an der TU und selbständigen Instituten. Von Null-Bock-Generation ist bei uns nichts zu spüren. Natürlich fahren bei uns auch Ältere, z.B. die Krankenschwester aus Langelsheim (!), der ehemalige Berufssoldat oder die Heimleiterin. Diese machen aber gerade nur 25 % des Fahrpersonals aus.
Man muß es deutlich herausstellen: ohne die jüngeren Leute von der TU Clausthal wäre der Bürgerbus nicht möglich gewesen. Für unseren Bürgerbus hat diese personelle Struktur des Fahrpersonals erhebliche Konsequenzen: Während die Älteren meist ortsgebunden sind, werden die Jüngeren in absehbarer Zeit die Bergstadt verlassen. Wir haben also mit einer großen Fluktuation zu rechnen. Um unser Angebot zu erhalten müssen wir daher ständig neue Fahrerinnen und Fahrer werben und ausbilden.